Lückenschluss bei Wärmeplanung
Die Umstellung des Heizens auf klimafreundliche Technik ist längst nicht mehr nur eine Sache jedes einzelnen Haushalts, sondern eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Bis 2026 beziehungsweise 2028 müssen Städte und Gemeinden festlegen, wie ihre Bürgerinnen und Bürger künftig mit Wärme versorgt werden. Ein Beispiel aus Bremen zeigt gerade, wie eine solche Lücke zwischen Plan und Praxis geschlossen werden kann: ein sogenannter Klimaturm, der ganze Wohnquartiere mit Wärme versorgt.
Worum es geht
Auf der Bremer Überseeinsel ist die erste Anlage dieser Art in Betrieb gegangen. Dahinter steckt eine großformatige Luft-Wasser-Wärmepumpe des Bremer Unternehmens Towergy, die je nach Auslegung bis zu 300 Wohnungen versorgen kann. Anders als die einzelne Wärmepumpe am Einfamilienhaus ist der Turm für dicht bebaute Stadtviertel gedacht, in denen für jedes Haus eine eigene Anlage weder sinnvoll noch möglich wäre. Zum Jahresende soll in Bremerhaven die Serienproduktion beginnen.
Die gesetzliche Pflicht im Hintergrund
Der eigentliche Rahmen ist das Wärmeplanungsgesetz. Es verpflichtet die Kommunen, für ihr Gebiet einen Wärmeplan aufzustellen, also eine verbindliche Vorstellung davon, welche Straßenzüge künftig etwa an ein Wärmenetz angeschlossen werden und wo dezentrale Lösungen sinnvoller sind. Größere Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen ihren Plan bis zum 30. Juni 2026 vorlegen, alle übrigen Gemeinden haben dafür bis zum 30. Juni 2028 Zeit. Für kleine Gemeinden sind vereinfachte Verfahren möglich.
Warum das ein „Lückenschluss" ist
Ein Wärmeplan auf dem Papier hilft niemandem, solange die passende Technik fehlt, um ihn umzusetzen. Genau hier setzt der Klimaturm an. Er liefert einen Baustein für Quartiere, in denen bislang unklar war, wie eine klimafreundliche Versorgung praktisch aussehen soll. Optional lässt sich der Turm mit einem Wärmespeicher kombinieren, der überschüssige Wärme zwischenspeichert und wieder abgibt, wenn gerade wenig Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht. Damit wird aus der abstrakten Planung ein konkretes Angebot, das eine Kommune in ihren Wärmeplan einbauen kann.
Was das für die Verwaltung bedeutet
Für Städte und Gemeinden ist die Wärmeplanung eine der anspruchsvollsten neuen Aufgaben überhaupt. Sie verlangt Datenerhebung, Abstimmung mit Energieversorgern, Bürgerbeteiligung und am Ende politische Beschlüsse. Beispiele wie der Bremer Turm sind deshalb wertvoll, weil sie zeigen, dass es umsetzbare Lösungen gibt, und weil andere Kommunen daraus lernen können. Das entspricht dem Grundgedanken einer lernenden Verwaltung, wie er auch die Verwaltungsmodernisierung insgesamt prägt: gute Ansätze aus einer Stadt sichtbar machen und übertragbar aufbereiten.
Chancen und Grenzen
Ein einzelner Turm löst die Wärmewende nicht, und er passt auch nicht überall. Ob sich die Technik durchsetzt, hängt von Kosten, Genehmigungen und der örtlichen Bebauung ab. Für die Kommunen bleibt die eigentliche Arbeit ohnehin die Planung selbst, also die ehrliche Bestandsaufnahme und die Festlegung, welche Gebiete welchen Weg gehen. Innovative Anlagen erweitern nur den Werkzeugkasten, den die Verantwortlichen dafür zur Verfügung haben.
Was jetzt zählt
Für Bürgerinnen und Bürger ist vor allem entscheidend, dass sie rechtzeitig verlässlich erfahren, woran sie beim Heizen künftig sind. Genau das soll die kommunale Wärmeplanung leisten. Beispiele wie der Bremer Klimaturm sind ein Signal, dass die Umsetzung machbar ist. Ob daraus flächendeckend eine verlässliche Versorgung wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren in den Rathäusern, dort, wo die Wärmepläne beschlossen und Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt werden.